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Tiere

Giraffen in Tansania — das stille Wunder der Savanne

Collin·20. Dezember 2025·7 Min. Lesezeit

Das unterschätzteste Tier Afrikas

Wenn man Menschen fragt, welches Tier sie am liebsten auf Safari sehen möchten, nennen sie Löwen, Elefanten, Leoparden. Giraffen stehen selten oben auf der Liste.

Das verstehe ich nicht. Denn die Giraffe ist das bizarrste, eleganteste, unwahrscheinlichste Tier, das die Evolution je hervorgebracht hat.

Die Masai-Giraffe: Tansanias eigene Unterart

Tansania hat die Masai-Giraffe (Giraffa camelopardalis tippelskirchi) — die größte Unterart aller Giraffen. Sie können 5,5 bis 6 Meter hoch werden. Ein erwachsenes Männchen wiegt bis zu 1.200 kg.

Man erkennt die Masai-Giraffe an ihren unregelmäßigen, gezackten Flecken — eckiger als die runden Flecken der Netzgiraffe in Kenia. Jedes Individuum hat ein einzigartiges Muster, wie ein Fingerabdruck.

Wie eine Giraffe trinkt — der gefährlichste Moment

Eine Giraffe hat ein Problem: Ihr Hals ist zu lang, um normal zu trinken. Um ans Wasser zu gelangen, muss sie ihre Vorderbeine weit auseinander spreizen und langsam ihren Kopf senken.

Das dauert 20–30 Sekunden. In dieser Zeit ist die Giraffe völlig wehrlos — sie kann nicht schnell aufstehen, wenn Gefahr droht. Ihre Sicht ist eingeschränkt, ihr Gleichgewicht prekär.

Löwen wissen das. Sie warten manchmal neben Wasserlöchern auf genau diesen Moment.

Giraffen trinken daher so selten wie möglich. Sie beziehen viel Feuchtigkeit aus den Blättern von Akazienbäumen. Einige Giraffen trinken nur einmal pro Woche.

Fakten, die man nie vergisst

- Die Zunge einer Giraffe ist 45–50 cm lang und dunkelviolett — gegen die Sonne geschützt - Eine Giraffe schläft durchschnittlich 4,6 Minuten pro Tag (nicht zusammenhängend) - Sie können bis zu 55 km/h laufen — schneller als ein Pferd - Ein Giraffentritt kann einen Löwen töten. Sie sind gefährlicher als sie aussehen - Ein Giraffenjunges fällt bei der Geburt 2 Meter herunter — und steht innerhalb einer Stunde

Wo man Giraffen in Tansania sieht

**Serengeti** — überall. Im offenen Grasland der Serengeti sieht man Giraffen in der Ferne, ihre Silhouetten über den Akazien. In der Seronera-Zone sind sie am meisten präsent.

**Tarangire** — große Konzentrationen. Tarangire ist vielleicht der beste Park, um Giraffen wirklich zu beobachten — es ist offener als die Serengeti und die Dichte ist hoch.

**Lake Manyara** — speziell in der Waldzone nahe dem Eingang. Giraffen im Wald sind anders — man sieht sie aus nächster Nähe, manchmal so nah, dass man ihre Augen sehen kann.

**Ngorongoro** — überraschend wenige. Der Krater hat nur eine kleine Giraffenpopulation — die steilen Wände sind schwierig für Giraffen.

Giraffenverhalten, das man nicht erwartet

**Necking** — zwei Männchen, die ihre Hälse gegeneinander schlagen als Kampf. Es sieht elegant und langsam aus, aber die dahinter stehende Kraft ist enorm. Sie schlagen buchstäblich mit ihren Hälsen gegen die Körper des anderen.

**Ossicones** — die kleinen Hörner auf ihrem Kopf. Weibchen haben dünnere, haarigere Ossicones; Männchen größere, kahle. Sie benutzen sie beim Necking.

**Stehend schlafen** — Giraffen schlafen stehend, in kurzen Sitzungen von manchmal nur wenigen Minuten. Nur tief in der Nacht legen sie sich manchmal hin — dann falten sie ihre langen Beine auf eine Weise, die unmöglich erscheint.

Mein besonderster Moment

Ich war mit einem Paar Gäste in Tarangire, früh morgens. Wir standen still neben einem Wasserloch. Ein großer Giraffenbulle näherte sich vorsichtig.

Er spreizte seine Beine. Senkte seinen Kopf. Trank.

Dreißig Sekunden lang waren wir Zeugen des verletzlichsten Moments im Leben des größten Tieres der Erde.

Niemand sagte etwas. Nicht ich, nicht die Gäste. Wir schauten einfach zu.

Das ist Safari. Nicht die Aktion. Die Stille danach.

C

Collin

Guide & Wildlife-Fotograf — 15+ Jahre im Feld

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